| Arche Seniorenzentrum in Berlin |
|
|
|
Clown – Humor, gelassene Heiterkeit – Alter ? Wie kann das
zusammenpassen?
Seit nun schon fast zehn Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema Humor/Clownerie und Demenz. Bei dieser Auseinandersetzung hat mir sehr der Satz von Fancis Picabia geholfen: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“ Mein Name ist Sybille Ugé und ich bin als „flotte Lotte“ vorwiegend in Berlin unterwegs. Wie erleichternd und wohltuend Humor in Senioreneinrichtungen ist, erfahre ich fast jeden Tag. Zum Beispiel: Frau W. sitzt benachthemdet am Tisch. Sie lächelt mich aus ihrem Rollstuhl an. Das Gespräch steigert sich und ein turbulentes Gelächter bricht aus. Auf einmal ein Plätschern, was nicht wirklich in diesen Kontext passt. Die Bewohnerin hat vor lachen eingepullert! Eine Pflegerin kommt gesprungen und stopft flink und lächelnd ein Handtuch zwischen ihre Beine. Sofort spannt sich die Lage an. Frau W. will sich nicht umziehen lassen. Es vergeht ihr das Lachen – ein kleiner, aber deutlicher Augenblitz. Sie sieht mich an und ist etwas hilflos. Ich verbünde mich mit ihr und spreche die Pflegerin an: „Entschuldigung! Frau W. und ich haben heute unseren sensiblen Tag und brauchen ganz viel Diskretion.“ Die Pflegerin steigt ins Spiel ein. „Aber natürlich!“ Große Erleichterung! Frau W. kann umgezogen werden und der „Lachsee“ verschwindet in einem seen-fressenden Lappen. Wenige Augenblicke später sind wir wieder fröhlich versammelt. „Flotte Lotte du bist wirklich doof! Und ich bin noch dööfer!“ Selbst in dieser kontrollverlustigen Situation konnte Frau W. am Ende Humor entwickeln. Welch eine Freude!! Mir ist es wichtig, den Bewohner einen „Teppich“ auszurollen auf dem sie selbst ihren Humor zum Blühen bringen. Angebote von meiner Seite sind immer spielerischer Natur. Der Einsatz von Requisiten, Musik, Geschichten und vor allem des Alltäglichen, leisten oft nicht nur eine Ergänzung zur Biographiearbeit, sondern bestätigen die Bewohner als einzigartig und wertvoll im Hier und Jetzt. Psychoanalytische Autoren wie Reik (1929) und Strotzka (1976) :“....sahen das Lachen als einen gesunden und biologisch notwendigen Entlastungsprozess an, der innerpsychisch bedingt ist...... Lachen als Überwindung von Mangellagen!“ (Michael Titze „Therapeutischer Humor“, Humor Care Deutschland) Lachen als Lebensqualität, auf die man sich jeden Tag verlassen kann. Wie schnell gelacht werden kann, wenn die Blickrichtung sich ändert, ist phänomenal. Leider zeichnet sich unsere Kultur durch eine große Angst vor dem Lächerlichen aus. Mein Eindruck ist aber, dass die Macht des Lachens groß ist. Wer lacht, lässt sich nicht einschüchtern, hat nicht aufgegeben und ist nicht zu unterdrücken! Auch im fortgeschrittenen Alter nicht. Wertschätzung, Respekt, Humor und Liebe sind die wichtigsten Grundlagen meiner Arbeit. Wie gehe ich doch jeden Tag reich beschenkt nach Hause! |








